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balaton-service.info - Das Forum für Ungarn / Sehenswertes, Kultur, Kneipenführer / K u l t u r / Pakt mit der Macht
In diesem Thread befinden sich 6 Posts.
piccolino
icon01.gif Pakt mit der Macht - 25.02.2008, 19:10:37

816 Posts - Einbürgerungswilliger
leben u. leben lassen













Regisseur István Szabó feiert 70. Geburtstag
Von AL
Montag, 25. Februar 2008
Pakt mit der Macht

Ungarns vielleicht bedeutendster Regisseur feierte am vergangenen Montag seinen 70. Geburtstag. Grund genug, um seine bisherige Schaffenszeit zusammen zu fassen.

Szabó ist wohl der einzige zeitgenössische ungarische Regisseur, der sich weltweit einen Namen machen konnte. Und das bereits in den frühen 80er Jahren. Obwohl auch seine früheren Filme wie ,,Vater“ (1966) und ,,Liebesfilm“ (1970) große Publikumserfolge waren, den internationalen Durchbruch schaffte Szabó mit ,,Mephisto“, der Verfilmung von Klaus Manns gleichnamigem Roman mit Klaus Maria Brandauer in der Hauptrolle. Der Streifen, der prompt mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film geehrt wurde, bildet mit den Filmen ,,Oberst Redl“ (1985) und ,,Hanussen“ (1987) eine Trilogie. Zwar geht es hierbei um unterschiedliche Geschichten, aber Hintergrund und Hauptdarsteller bleiben die gleichen. Die Titelhelden sind stets soziale Aufsteiger, die für den beruflichen Erfolg bereit sind, mit dem Regime einen Pakt zu schließen.
Vor zwei Jahren stellte sich heraus, dass Szabó selbst vor die Wahl gegestellt wurde, zwischen Erfolglosigkeit oder dem Pakt mit der Macht zu wählen. Er entschied sich – wie sein Mephisto –, mit dem Regime zu kooperieren. Als Student der Filmakademie hat sich Szabó in den 1950er Jahren als Informant in den Dienst der ungarischen Staatssicherheit (ÁVH) gestellt, um Spitzelberichte über Lehrer und Studenten zu schreiben.



International geehrt

Szabós filmisches Schaffen beschränkt sich nicht nur auf die 1980er Jahre. Auch in den 1990er Jahren und nach der Jahrtausendwende leistete er Großes. Zu erwähnen sind zum Beispiel seine Hollywood-Streifen ,,Being Julia“ (2004), ,,Sunshine – Ein Hauch von Sonnenschein“ (1999) und sein letzter Film ,,Die Verwandten“ (2006), eine Verfilmung des ungarischen Romans von Zsigmond Móricz. Er arbeitete mit Hollywood-Größen wie Annette Benning und Ralph Fiennes zusammen. Bei insgesamt 34 Filmen, mehreren Opern und Theaterstücken führte er bisher Regie; in einigen Filmen spielte er als Darsteller sogar selbst mit. Zuletzt wirkte er bei der Hrabal-Verfilmung seines tschechischen Kollegen Jiri Menzel ,,Ich habe den englischen König bedient“ (2006) mit. Szabó erhielt bisher rund 60 internationale Preise, neben dem Oscar wurde er mehrfach bei den Filmfestivals in Cannes und Berlin geehrt.

Und er arbeitet unverdrossen weiter. Als nächstes ist wohl wieder eine ungarische Produktion geplant: Laut Informationen der Tageszeitung Népszabadság will István Szabó Antal Szerbs Roman ,,Utas és holdvilág“ (Reise im Mondlicht) verfilmen.

Quelle:http://www.budapester-zeitung.de/index.php?option=com_content&task=view&id
Ich liebe das Leben
Herbert1
icon01.gif Pakt mit der Macht - 26.02.2008, 03:23:49

Gast
Das künsterlische Schaffen von den politischen Aktivitäten zu trennen ist
sicher nur dann möglich, wenn man sich mit einer moralischen Beurteilung
der Lebensführung des Künstlers enthält.
Interssant wäre, wie die Spitzelberichte abgefasst waren. Frage:
Dienten diese Dossiers der Befestigung der eigenen Karriere --- hat
Szabo also "unliebame Konkurrenten" durch Denuziation eliminiert ?
Oder waren es nur Formalberichte mit denen er "seine staatsbürgerliche
--will sagen-- sozialistische Geinnung" unter Beweis stellte ... und so
den Freiraum für sein künstlerisches Schaffen gewonnen hat.
Die Erfahrungen mit Mitarbeitern eines Überwachungsstaats lehrt
uns ... dass auch hier sehr unterschiedliche Motive für eine
"Schattenexistenz" als Denuziant eine Rolle spielen.

All the best Herbert1 (Hans Stein)
piccolino
icon01.gif Pakt mit der Macht - 29.02.2008, 20:18:35

816 Posts - Einbürgerungswilliger
leben u. leben lassen
ich bin der Meinung, dass er durch die Ausspähung der geistigen Eliten, sich selbst einen engen Freiraum geschaffen hat, um das zu werden, wofür er geehrt wurde.

Gruß Klaus
Ich liebe das Leben
Maria
icon01.gif Pakt mit der Macht - 29.02.2008, 21:46:42

284 Posts - 50 50 Ungar
Zitat:
Original von piccolino

Regisseur István Szabó feiert 70. Geburtstag
Von AL
Montag, 25. Februar 2008
Pakt mit der Macht

Ungarns vielleicht bedeutendster Regisseur feierte am vergangenen Montag seinen 70. Geburtstag. Grund genug, um seine bisherige Schaffenszeit zusammen zu fassen.

... Vor zwei Jahren stellte sich heraus, dass Szabó selbst vor die Wahl gegestellt wurde, zwischen Erfolglosigkeit oder dem Pakt mit der Macht zu wählen. Er entschied sich – wie sein Mephisto –, mit dem Regime zu kooperieren. Als Student der Filmakademie hat sich Szabó in den 1950er Jahren als Informant in den Dienst der ungarischen Staatssicherheit (ÁVH) gestellt, um Spitzelberichte über Lehrer und Studenten zu schreiben.

Quelle:http://www.budapester-zeitung.de/index.php?option=com_content&task=view&id


ich will unter keinen Umständen rechtfertigen, dass Szabo sich für den ungarischen Geheimdienst einspannen lies.
Wenn ich nun sehe, wann das war: 50iger Jahre, Stalindiktatur usw, kann ich mir nur aus der Kenntnis der zeit heraus was meine Eltern mir erzählt haben vorstellen, dass hier ein ungeheurer Druck bestanden hat.
Und allgemein ist bekannt, das selbst die stärksten Mauern aus Stein von stetem Tropfen ausgehöhlt werden.

Wir erinnern uns an das späte Geständnis von Grass. Hier war es jugendlicher Überschwang oder Dummheit, von Szabo weiß ich die echten Gründe nicht. Er war damals 22 und der Stalinismus hat in den Ostblockländern stärker gewütet als man sich vorstellen kann

An der Stelle wären mir noch ein paar Fakten dienlich.

Lieben Gruß von Maria

Die Stimmen werden lauter, wenn das Verständnis abnimmt
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Herbert1
icon01.gif Pakt mit der Macht - 02.03.2008, 06:02:24

Gast
Wenn man in die Geschichte zurückschaut, beobachtet man oft
dass nach einem Systemwechsel ---- die Vertreter des alten Systems
von den neuen "Besitzern der Macht" mit den "moralischen Waffen
der neuen Zeiten" diskreditiert werden.
Dieses Phänomen beschränkt sich nicht auf die Zeiten
Faschismus-Demokratie oder "real-existierendere Sozialismus-
Demokratie" sondern ist in der Geschichte vielfach präsent.
Früher suchte man, wenn man in Kriegen ein Stück Territorium
erobert hatte ( z B Konflikt Oesterreich-Preussen) durch eine
Art Geheimpolizei nach "verborgenen und noch im Land befindlichen
Anhängern des früheren Feindes".
Unsere Zeiten bringen es mit sich, dass man im Grunde versucht
"die Gedanken und Handlungen der Vergangenheit" so zu tilgen,
dass in Form eines Schwarz-Weiss-Denkens .... weder der die
Lebensleistung eines Menschen noch sein Recht auf Irrtümer
berücksichtigt werden.
Vermutlich kann man gegen jeden Repräsentanten der
in einem System irgendwo "oben" war ...etwas ausgraben.
Es gibt nur wenige Staufenbergs in der Welt.
Die Frage ist.... handelte es sich um Irrtümer, um Opportunis-
mus oder die bewusste Benutzung der eigenen Macht zur
Festigung eigener Positionen .oder .. dem "Wegbeissen von
unliebsamen Konkurrenten", die es auch in der Kunst gibt.
Auch in diesem Fall:
Gestern "Der Star" ..."der Stolz der Nation" heute "der Schuft"
"der Verräter" "der Spitzel". (Schwarz-weiss-Denken)
Der Umgang mit Biografien von staatsnahen Künstlern (in
Diktaturen) ist sicher eines der schwierigsten Kapitel in
der späteren Aufarbeitung von Diktaturen.

Nachdenkliche Grüsse Herbert1
Maria
icon01.gif Pakt mit der Macht - 02.03.2008, 11:44:33

284 Posts - 50 50 Ungar
Zitat:
Original von Herbert
Wenn man in die Geschichte zurückschaut, beobachtet man oft
dass nach einem Systemwechsel ---- die Vertreter des alten Systems
von den neuen "Besitzern der Macht" mit den "moralischen Waffen
der neuen Zeiten" diskreditiert werden.
Dieses Phänomen beschränkt sich nicht auf die Zeiten
Faschismus-Demokratie oder "real-existierendere Sozialismus-
Demokratie" sondern ist in der Geschichte vielfach präsent.
Früher suchte man, wenn man in Kriegen ein Stück Territorium
erobert hatte ( z B Konflikt Oesterreich-Preussen) durch eine
Art Geheimpolizei nach "verborgenen und noch im Land befindlichen
Anhängern des früheren Feindes".
Unsere Zeiten bringen es mit sich, dass man im Grunde versucht
"die Gedanken und Handlungen der Vergangenheit" so zu tilgen,
dass in Form eines Schwarz-Weiss-Denkens .... weder der die
Lebensleistung eines Menschen noch sein Recht auf Irrtümer
berücksichtigt werden.
Vermutlich kann man gegen jeden Repräsentanten der
in einem System irgendwo "oben" war ...etwas ausgraben.
Es gibt nur wenige Staufenbergs in der Welt.
Die Frage ist.... handelte es sich um Irrtümer, um Opportunis-
mus oder die bewusste Benutzung der eigenen Macht zur
Festigung eigener Positionen .oder .. dem "Wegbeissen von
unliebsamen Konkurrenten", die es auch in der Kunst gibt.
Auch in diesem Fall:
Gestern "Der Star" ..."der Stolz der Nation" heute "der Schuft"
"der Verräter" "der Spitzel". (Schwarz-weiss-Denken)
Der Umgang mit Biografien von staatsnahen Künstlern (in
Diktaturen) ist sicher eines der schwierigsten Kapitel in
der späteren Aufarbeitung von Diktaturen.

Nachdenkliche Grüsse Herbert1


Hallo, Herbert,
genau das scheint das Problem,
ich gehe in Deiner differenzierten Betrachtungsweise durchaus mit.
Und möchte noch ergänzen: auch der Glaube, dass genau dieses politische System zum Ziel führt, kann der irrige Glaube von Bespitzelungen sein, wobei das dann um soweniger gut zu heißen ist. Aber jede Macht hat seine Spitzeldienste...


Ich erlebte aus meinem eigenen Lebensraum und Umfeld, wie viel Menschlichkeit, Talent und Ressourcen sowohl die übereilte generalisierte Aburteilung als auch die bewusste politische Denunziation in den Grenzbereichen der politischen Übergänge vernichtet hat.

Gerade bin ich am Lesen des autobiografischen Romanes "Sik - Aufzeichnungen eines Diplomaten". Er war der erste Kulturattaché des Nachkriegsungarn.
Heute aus den Augen eines solchen Mannes die Geschichte nachzulesen, zeigt deutlich, welche Zeiten die Menschen zwischen 1945 und 1967 in Ungarn erlebten.
Dass der Mann Kommunist war, tut dem historischen Dokumentarstudium keinen Abbruch.
Denn immer sind es politische Sichten, die die Geschichte spiegeln.

Man sollte nur nicht auf einem einzigen Focus beharren, wenn man der Wahrheit nahekommen will.

Einen schönen Sonntag nach Ungarn aus dem durch Aprilwetter gestressten Berlin
von Maria

Die Stimmen werden lauter, wenn das Verständnis abnimmt
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