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balaton-service.info - Das Forum für Ungarn / Sehenswertes, Kultur, Kneipenführer / K u l t u r / Kreativer Rundgang durch die deutsch-deutsche Geschichte
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piccolino
icon01.gif Kreativer Rundgang durch die deutsch-deutsche Geschichte - 01.04.2008, 21:03:36

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leben u. leben lassen
„Willkommen in Leipzig“ in der Kunsthalle
Von Julia Brühne
Dienstag, 1. April 2008
Kreativer Rundgang durch die deutsch-deutsche Geschichte

"Mein Leipzig lob’ ich mir! Es ist ein klein Paris und bildet seine Leute.“ Mit diesen geflügelten Worten des Schöpfers von Faust eröffnete Gabriele Gauler, Direktorin des Goethe-Instituts Budapest, am vergangenen Donnerstag die neueste Ausstellung der Kunsthalle.

"Willkommen in Leipzig“ präsentiert bis zum 18. Mai Werke von Neo Rauch, Tilo Schulz, Oliver Kossack, Martin Hoch und elf weiteren Vertretern der vielfältigen Strömung, die unter dem Namen "Neue Leipziger Schule“ zusammengefasst wird.
Unter dem Begriff "Leipziger Schule“ versteht man – oberflächlich gesagt – moderne, gegenständliche Malerei. Gründungsfiguren dieser in den 1960er Jahren entstandenen Kunst waren Werner Tübke, Wolfgang Mattheuer und Bernhard Heisig, in der Folgegeneration Sighard Gille und Arno Rink. Die Werke ihrer Schüler sind nun in der Kunsthalle zu sehen.



Unverkennbar deutsch

Man kann darüber streiten, ob es zum Hauptanliegen dieser neuen Generation gehört, eine Brücke zwischen Ost und West, zwischen Sozialismus und Kapitalismus zu schlagen. Tatsache ist aber, dass der Besucher selten eine solche Vielfalt, schöpferische Kraft und Kreativität zu sehen bekommt, wie in diesen Werken steckt. Neben düster gemalten, doch heiter betitelten Bildern von Ulf Puder gibt es bunte Porträtzeichnungen von Christoph Ruckhäberle, die mit ihren tiefen, etwas dumpfen Farben einem Kinderbuch der 70er entnommen scheinen. Daneben wirken die Fotografien Ricarda Roggans wie Szenenbilder aus einem Dokumentarfilm: zellenartige Schlafräume, zerkratzte Pulte, ein verlassener Dachboden. Dann die idyllisch anmutenden, unverkennbar deutschen Einfamilienhäuser Katharina Immekus’.

Jedes Oeuvre steht für sich selbst. Trotzdem bedingen sie sich irgendwie auch gegenseitig. ,,Der Austausch und die Diskussion untereinander sind sehr wichtig für uns“, erklärt Tilo Schulz, Installations- und Konzeptkünstler: ,,Man inspiriert sich gegenseitig.“ Schulz’ eigenes Kunstverständnis fußt auf der Basis mehrerer Maxime. Er möchte mit seiner Installation dem kulturellen Konflikt im Kalten Krieg Ausdruck verleihen. Seine Kunst ist ein Werk der Nischen und der Zwischenräume. Den Begriff der amerikanischen Frontier, den er selbst verwendet, macht er sich dergestalt zueigen, dass er scheinbar banale Zwischenräume nicht nur überbrückt, sondern ausnutzt und ihnen zur Bedeutsamkeit verhilft. Die fröhlich bunten Vorhänge, die die Ausstellungsräume voneinander trennen, scheinen auf den ersten Blick gar nicht zur Ausstellung zu gehören. Man muss schon ein bisschen genauer hinsehen, um hinter das Geheimnis dieses Risses, dieser Nische, dieser Enklave zu kommen. ,,Es macht nichts, wenn die Leute erst mal daran vorbeilaufen. Wer sich darauf einlässt, erkennt schon, dass er mehr vor Augen hat als einen dekorativen Raumtrenner. Ich möchte, dass die Leute die Kunst erstmal wirken lassen. Und nicht gleich sagen, das verstehe ich nicht, also ist es schlecht. Kunst muss nicht notwendigerweise durch Text erklärt werden. Wenn man sich ein wenig Zeit nimmt, kann Kunst sich auch ganz einfach selbst erklären.“



Künstlerische Stadtführung

Genau das passiert in dieser Ausstellung. Jeder Künstler hat einen Weg gefunden, sich selbst zu erklären. Auf diese Weise geschieht etwas Erstaunliches: Die Leipziger Werke fungieren als eine Dokumentation unserer Zeit. Sie sind realistisch und abstrakt, verstörend und wohlwollend, bitterernst und humorvoll. Der Besucher erkennt sich selbst und die Gesellschaft in der er lebt – ganz gleich, ob er den Sozialismus aktiv miterlebt hat oder nicht. Ein Gang durch die Kunsthalle wird dieser Tage zu einer überdimensionalen Stadtführung durch mindestens 20 Jahre kulturpolitischer und alltäglicher Geschichte.

Quelle:http://www.budapester-zeitung.de/index.php?option=com_content&task=view&id=
Ich liebe das Leben
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