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balaton-service.info - Das Forum für Ungarn / Hajrá´s Welt / Hajrá´s geschmeidige Welt / Also nein, diese Ungarn!
In diesem Thread befinden sich 10 Posts.
Guckst Du Ungarn....
icon01.gif Also nein, diese Ungarn! - 20.02.2009, 12:58:59

Gast
udapester Rundschau - Siegfried Brachfeld / Sándor Novobáczky - Glossen zweier ungarischer Journalisten aus "Budapester Rundschau" seit 1971

Also nein, diese Ungarn!
Siegfried Brachfeld / Sándor Novobáczky
Glossen zweier ungarischer Journalisten aus
"Budapester Rundschau" seit 1971

Etwas von zu Hause / Salami und Schinken

Unter der Ägide des Weltverbandes der Ungarn werden im August in der "Vidàm szinpad" (Lustige Bühne), dem politischen Kabaretttheater, zehn Extravorstellungen für zu Besuch weilende Auslandsungarn gegeben, und zwar unter dem Titel: "Egy kis hazai" (etwas von zu Haus).

Darunter verstehen die Ungarn ansonsten ausschließlich etwas Essbares: Selbstgeräucherte Wurst, oder Schinken oder ein Stück Speck vom letzten Schlachtfest, im eigenen Garten angebaute Paprika, Tomaten oder Pfirsiche, oder ein paar frische Eier oder ein ganzes Brathähnchen, natürlich eins aus dem Hühnerstall daheim.

"Etwas von zu Haus" ist eben nicht irgend ein dahergelaufenes Huhn, auf dem Markt erstanden, und ebensowenig die allerfeinste Salami aus dem Delikatessgeschäft oder die aufgeschwemmte Leber einer fremden Gans aus der Markthalle - es ist das, was die Mutter gekocht, gebacken, gebraten hat, mit dem ganz speziellen Geruch und Geschmack von daheim. Und all' das hat der Ungarn in der Nase, auf der Zunge, solange er lebt, das nimmt er mit sich, gleich, ob er von einem kleinen Dorf in die nächste Stadt oder in die Hauptstadt zieht oder sich gar irgendwo in der Welt niederlässt. Der vielgerühmte Duft der großen weiten Welt bleibt für einen Ungarn weit zurück hinter dem Duft gefüllten Krauts nach Szèkelyer Art. Man behauptet, das alles treffe heute nur noch auf die ältere Generation zu, die ihre Eindrücke noch von zu Hause mitgenommen hat. Aber wir hatten dieser Tage einen jungen, in Kanada geborenen Ungarn zu Gast. Nie zuvor sah ich ein Paprikahuhn unter so vielen begeisterten Interjektionen verschwinden. "Davon erzählt meine Mutter immer", sagt er, sich den Mund wischend, "nur machen kann sie es nicht." Es sei mir gestattet, angesichts des - statistisch nachgewiesenen - ständig steigenden Lebensmittelverbrauchs der Ungarn, Ludwig Feuerbachs bekanntes Wort abzuändern, "der Mensch ist nicht was er isst, sondern wie er ist". Hier kommt es eben auf das Wie an, wobei auch eine Rolle spielt, wie die Speisen gereicht und gegessen werden.

Jeder ungarische Hausherr wird, wenn er seinen Gast zum Essen auffordert, sagen: "Tessék, csak otthoniasan!" (Bitte halten sie es ganz wie zu Haus). Mit anderen Worten: Lockern sie sich! Und darum wir zunächst einmal ein Schnaps getrunken. Natürlich muß es ein echter "Barack" (sprich: Barazk!) sein, ein Aprikosenschnaps, sein. Selbstgemacht, versteht sich. Auch wenn er nicht selbstgemacht ist. Das spielt keine Rolle. Nur lockern sie sich! Und dann kommt die Vorspeise. Eine Hühnersuppe, mit selbstgemachten Nudeln natürlich. Auch wenn es nicht stimmt, so genau muss man es nicht nehmen. Noch ein Schnaps gefällig? Oh, der ist sehr gesund! Und macht Appetit, vor dem Essen, zum Essen und danach noch.

Wir nehmen immer schon morgens aus nüchternen Magen einen zur Brust....Das fördert die Verdauung und ......und ein langes Leben. Auch wenn es nicht stimmt. Nehmen wir noch einen Kleinen? Man darf nicht alles so genau nehmen....so todernst. "Wir leben nicht, um zu essen, sondern wir essen, um zu leben", sagte Sokrates oder Goethe...oder ich weiß nicht mehr genau, von wem das stammt, aber eigentlich könnte es ein Ungar gesagt haben.

Siegfried Brachfeld
Guckst Du Ungarn....
icon01.gif Also nein, diese Ungarn! - 20.02.2009, 13:00:05

Gast
Also nein, diese Ungarn!
Siegfried Brachfeld / Sándor Novobáczky
Glossen zweier ungarischer Journalisten aus
"Budapester Rundschau" seit 1971

Ungarn ist die Heimat der Maschinen, der Kaffeemaschinen.

Jedem Ausländer muß es auffallen, auch wenn er nur auf der Durchreise ist, wie versessen die Ungarn darauf sind, sich mit extra starkem Mokka zu vergiften.

Noch in den dreißiger und vierziger Jahren unseres Jahrhunderts wurde Mokka nur in wohlhabenden Familien genossen, nach der Mahlzeit, nach dem Dessert. Die schwarze Brühe ist aber sowohl sprichwörtlich ("Die schwarze Brühe steht noch aus") und heißt soviel wie: das dicke Ende kommt noch nach, als auch historisch zu sehen, alldieweil sie zur Türkenzeit immer erst am Ende einer Unterredung - verbunden mit den härtesten Forderungen der Osmanen - serviert wurde.Das aber war, wie bekannt, lange, lange vor der Zeit der vierziger Jahre.

Seither ist nämlich im Gebrauch dieses Aufputschmittels eine demokratische Erneuerung eingetreten - inzwischen wird er auch von einfachen Leuten genossen, ausgenommen vielleicht manchen Familien auf dem Lande, die sehr streng auf Sitte und Tradition achten. Doch die Zurückhaltung diesem Gebräu gegenüber ist allerorten im Schwinden begriffen.Der "Schwarze", der Mokka doppelt so stark, wird auf dem Dorfe gebrüht.
Bevor die Bäuerin zum Melken in den Stall geht, dopt sie sich mit einem "Schwarzen".

Das Kaffetrinken hat in Ungarn, vielleicht auch wegen der historischen Überlieferung, eine tiefere gesellschaftliche Bedeutung.
Die Ungarn konnten nämlich alle größeren historischen Erschütterungen - und im Laufe ihrer Geschichte waren das nicht wenig - nur überdauern, wenn sie sich einen Mokka nach dem anderen brauten und in einen angenehmen euphorischen Zustand versetzten.

Bei so manchem starken Mokka im Kaffehaus entstanden auch Gedichte, Erzählungen und Romane und die noch stärkeren Kritiken darauf. Journalisten trinken Mokka, am laufenden Band, um ihre Gedanken klar formulieren zu können, und nicht anders halten es die Leser, wenn sie diese Gedanken verstehen wollen.

Einem Ausländer, der Ungarn als gerngesehener Gast von Familie zu Familie weitergereicht wird, mag sein Aufenthalt als ein Nonstop-Kaffeetrinken erscheinen, und er dürfte kaum in der Lage sein, all die feinen Nuancen, in denen sich die einzelnen Kategorien des Kaffeetrinkens unterscheiden, wahrzunehmen.

Ich kann hier nicht alle aufzählen, will aber einige zu mindest erwähnen: Mokka am Morgen.
Einer der intimsten Augenblicke, wenn sich der Magyare aus dem Bett hochrappelt, noch völlig verschlafen die Bestandteile der Kaffeemaschine zusammenklaubt und sich den ersten "Schwarzen" braut. Auf wissenschaftliche Untersuchungen stützt sich die Ansicht, daß er erst nach diesem Kaffee richtig wach wird, den er noch im Zustand des Halbschlafs zubereitet hat.

Erster Mokka am Arbeitsplatz.
Damit beginnt in Ungarn defacto der Arbeitstag. Haben die Angestellten in Beämtern und Büros ihren ersten Mokka noch nicht geschlürft, ist es unter Umständen mit Lebensgefahr verbunden, sie in geschäftlichen Angelegenheiten anzusprechen oder sie gar um eine Information zu bitten!

Protokollarischer Mokka.
Was eine halbwegs begabte Sekretärin sein will versteht sich aufs Kaffeekochen genauso gut wie aufs Tippen und auf Steno, wobei Tippen und Steno nicht unbedingt erforderlich sind; die Kunst des Kaffeekochens zu beherrschen jedoch ist unerläßlich, weil der Chef all seinen Gästen einen Mokka anbietet. Das Zimmer einer Sekretärin unterscheidet sich in Ungarn insofern von einem Espresso, als hier keine Musik geboten wird.

Gruppenmokka.
Dies ist die weitverbreitetste Form des Kaffeegenusses, und zwar dank der verfassungsgemäß garantierten Versamm lungsfreiheit der Werktätigen. Jedes Arbeitskollektiv wählt sich seinen Verantwortlichen für Kaffeezubereitung, der aus der gemeinsamen Kaffeekasse die begehrten Bohnen kaufen geht und auch die heißersehnte schwarze Brühe kochen versteht. Mit dieser Funktion werden stets nur unbescholtene, im Kaffeekochen erfahrene Kollegen (oder Kolleginnen) betraut, nachdem man sie in offener oder geheimer Wahl (oder onisono) gewählt hat. Schließlich bliebe noch der Ilegale Mokka.

Denn was ein richtiger Ungar ist, der kann auch bei einer Auslandsreise nicht auf seinen gewohnten Trank verzichten, weil nämlich das, was ihm in der Fremde als Kaffe angeboten wird, alles andere sein mag, nur eben keine echt ungarische schwarze Brühe.

Also nehmen die ins Ausand reisenden Ungarn ihre kleine Reisekaffeemaschine mit. Wo der Gebrauch von elektrischen Kochmaschinen im Hotel verboten ist, brauen die Ungarn bei Nacht und hinter verschlossener Türen Mokka, und früh am Morgen beseitigen sie dann alle verdächtigen Spuren.

Vielleicht hätte ich das gar nicht erwähnen sollen, um die Hotelbesitzer unter unseren Lesern nicht hellhörig zu machen.
Ich kann sie da nur bitten: Meine Herren, üben sie Nachsicht! Der Mokka ist ein Ritualgetränk der Ungarn.

Sàndor Novobàczky

Weitere Ungarn-Glossen von Siegfried Brachfeld unter dem Titel: "Warum ist die Krone schief?" sind beim PESTER LLOYD-Verlag erhältlich.

pesterlloyd.net/Verlag/Bucher/bucher.html

Budapester Rundschau - Siegfried Brachfeld / Sándor Novobáczky - Glossen zweier ungarischer Journalisten aus "Budapester Rundschau" seit 1971


pesterlloyd.net/Verlag/Bucher/bucher.html




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Guckst Du Ungarn....
icon01.gif Also nein, diese Ungarn! - 20.02.2009, 13:01:08

Gast
Budapester Rundschau - Siegfried Brachfeld / Sándor Novobáczky - Glossen zweier ungarischer Journalisten aus "Budapester Rundschau" seit 1971

Also nein, diese Ungarn!
Siegfried Brachfeld / Sándor Novobáczky
Glossen zweier ungarischer Journalisten aus
"Budapester Rundschau" seit 1971

Auf diese Frage werden viele Ungarn mit ja antworten, denn allein schon die Tatsache, daß sie den Sinn erfaßt haben, scheint ja Beweis genug.
Doch sollen sie dann Rede und Antwort stehen, geht`s meist nicht mehr weiter, und bald merkt der deutschsprechende Partner, wie schwer es einem Ungarn fällt, wirklich deutsch zu sprechen. Abgesehen davon, daß die Artikel der, die, das einem Ungarn so fremd sind wie die drei Geschlechter an sich - weil es im Ungarischen nämlich nur ein einziges Geschlecht für alle Substantive gibt -, ist alles, was er von der deutschen Sprache gelernt hat, plötzlich im Eimer, falls jemand so deutsch mit ihm spricht, wie ich es in einem der großen Hotels am Balaton hörte, wo sich folgender Dialog zwischen einer Dame mit Berli-
ner Akzent und einem ungarischen Kellner entspann.

Dame (zeigt mit dem Finger auf jene Stelle in der auch auf deutsch ab- gefassten Speisekarte, wo auch "borjúláb" mit Kalbsstelze wiedergegeben war): "Bitte bringen Sie mir das hier!"
Ober (verneigt sich höflich):
"Diese Kalbsstelze ist nicht mehr."
Dame (zu ihm aufblickend) : "Ist alle?"
Ober (in seinem Schuldeutsch nach der Bedeutung des Wörtchens
"alle" kramend): "Nicht alle."
Dame: "Nicht alle? Dann bringen Sie mir eine Portion".
Ober (merkt, daß er falsch verstanden wurde und wiederholt):
"Dieser Kalbsstelze ist nicht mehr."
Dame: "Also doch alle!"
Ober: "Alle Kalbsstelze ist nicht mehr".
Dame: "Alle sind alle?" Ober: "Nein"!
Dame: "Dann gibst also noch welche!"
Ober: "Nein."
Dame: "Also doch alle........."

Hätte ich mich nicht vermittelnd eingeschaltet, so hätten sich beide
um alles in der Welt nicht über die Bedeutung von "alles ist alle" ver-
ständigen können.

Hier zeigt es sich eben, in welchem Vorteil man ist, wenn man deutsch nicht in der Schule, sondern in der Praxis des Alltags gelernt hat.

Da wurde zum Beispiel, wie eine Anekdote berichtet, einem deutschen Jagdfreund, der nach Ungarn gekommen war, um hier auf die Pirsch zu gehen, ein ungarischer Revierförster zugeteilt mit der Bemerkung: Der Mann spricht perfekt deutsch, er hat noch in der k. u. k. Armee gedient (in der kaiserlich- königlichen Armee Ungarns war Deutsch Amts und Befehlssprache). Der Gast traf sich zum ersten Mal mit seinem ungarischen Begleiter am Abend vor der Jagd im Forsthaus und unterhielt sich ganz ausgezeichnet mit ihm, denn zu all seinen Jagderlebnissen steuerte der ungarische Förster ein lautes
"Jawohl" bei.

Am anderen Tag auf der Pirsch sprach der Revierförster als er einen Rehbock im Gehege entdeckte, den ersten deutschen Satz: "Achtung! Stillgestanden!" Der Jäger bleibt erstaunt stehen. Sein Begleiter kommandierte weiter:
"Augen rechts! Legt an! Feuer!"
Der Rehbock war getroffen.
"Vorwärts! Marsch, marsch!"

Und als der Jäger stolz und stramm vor dem Wild stand, daß er nach den Anweisungen des ungarischen Revierförsters erlegt hatte, sagte dieser mit viel weniger Schärfe, ja fast Rührung in der Stimme: "Rührt euch!"

Siegfried Brachfeld.

Weitere Ungarn-Glossen von Siegfried Brachfeld unter dem Titel: "Warum ist die Krone schief?" sind beim PESTER LLOYD-Verlag erhältlich.


pesterlloyd.net/Verlag/Bucher/bucher.html
Guckst Du Ungarn....
icon01.gif Also nein, diese Ungarn! - 20.02.2009, 13:01:41

Gast
Professor Kövary, Georg -
Ein Ungar kommt selten allein - der Magyarenspiegel aufpoliert.

Entnommene Passage aus:
Prof. Kövary, Georg:
Ein Ungar kommt selten allein -
der Magyarenspiegel aufpoliert,
Verlag Styria 1994
ISBN 3-222-12241-5

Auszug:

Wenn es .... um das Gebot der guten Manieren geht, wonach es als taktlos gilt, vor Dritten eine Sprache zu verwenden, die diese nicht verstehen.

Da nützt kein Weinen, kein gütliches Zureden; daran sind schon Ehen mit einem anderssprachigen Partner gescheitert, dadurch sind Karrierechancen aufs Spiel gesetz worden, da ist Hopfen und Malz verloren.

Der Paprika siegt auf der ganzen Linie: Ungarn werden immer, überall, ausnahmslos ungarisch miteinander reden. Auch wenn sie nicht untereinander sind. Die Muttersprache befällt sie wie ein Rausch.

Das Fleisch ist willig, aber der Geist ist ungarisch.
Pitti
icon01.gif Also nein, diese Ungarn! - 20.02.2009, 13:19:35

Gast
Basti nicht das Du mir Entzugserscheinigungen hast, das kann leider auftreten wenn kein Hubi mehr da ist.

MfG Pitti
Fischerlucky
icon01.gif Also nein, diese Ungarn! - 20.02.2009, 13:23:33

Gast
Pecs!!! so ne kleine entgiftung hat noch niemanden geschadet.

Szia
Lucky
Guckst Du Ungarn....
icon01.gif Also nein, diese Ungarn! - 20.02.2009, 13:24:52

Gast
Das Fleisch ist willig, aber der Geist ist ungarisch.
Fischerlucky
icon01.gif Also nein, diese Ungarn! - 20.02.2009, 13:26:24

Gast
...deiner aber nird

Szia
Lucky
Guckst Du Ungarn....
icon01.gif Also nein, diese Ungarn! - 20.02.2009, 13:28:12

Gast
Das Fleisch ist willig, aber der Geist ist ungarisch ,hat 37,5 %................
Pitti
icon01.gif Also nein, diese Ungarn! - 20.02.2009, 14:03:44

Gast
Zitat:
Das Fleisch ist willig, aber der Geist ist ungarisch.


Ja Weingeist

MfG Pitti
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