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balaton-service.info - Das Forum für Ungarn / D i e s & D a s / Dies & Das / Also nein, diese Ungarn!
In diesem Thread befinden sich 1 Posts.
Blasius
icon01.gif Also nein, diese Ungarn! - 19.09.2009, 16:30:39

8711 Posts - Magyar Vagyok
Kocsis
Also nein, diese Ungarn!

Etwas von zu Hause / Salami und Schinken


Unter der Ägide des Weltverbandes der Ungarn werden im August in
der "Vidàm szinpad" (Lustige Bühne), dem politischen Kabaretttheater,
zehn Extravorstellungen für zu Besuch weilende Auslandsungarn ge-
geben, und zwar unter dem Titel: "Egy kis hazai" (etwas von zu Haus).

Darunter verstehen die Ungarn ansonsten ausschließlich etwas Ess-
bares: Selbstgeräucherte Wurst, oder Schinken oder ein Stück Speck
vom letzten Schlachtfest, im eigenen Garten angebaute Paprika,
Tomaten oder Pfirsiche, oder ein paar frische Eier oder ein ganzes
Brathähnchen, natürlich eins aus dem Hühnerstall daheim.

"Etwas von zu Haus" ist eben nicht irgend ein dahergelaufenes Huhn,
auf dem Markt erstanden, und ebensowenig die allerfeinste Salami
aus dem Delikatessgeschäft oder die aufgeschwemmte Leber einer
fremden Gans aus der Markthalle - es ist das, was die Mutter gekocht,
gebacken, gebraten hat, mit dem ganz speziellen Geruch und
Geschmack von daheim. Und all' das hat der Ungarn in der Nase, auf
der Zunge, solange er lebt, das nimmt er mit sich, gleich, ob er von
einem kleinen Dorf in die nächste Stadt oder in die Hauptstadt zieht
oder sich gar irgendwo in der Welt niederlässt. Der vielgerühmte
Duft der großen weiten Welt bleibt für einen Ungarn weit zurück
hinter dem Duft gefüllten Krauts nach Szèkelyer Art.

Man behauptet, das alles treffe heute nur noch auf die ältere
Generation zu, die ihre Eindrücke noch von zu Hause mitgenommen
hat. Aber wir hatten dieser Tage einen jungen, in Kanada geborenen
Ungarn zu Gast. Nie zuvor sah ich ein Paprikahuhn unter so vielen
begeisterten Interjektionen verschwinden. "Davon erzählt meine
Mutter immer", sagt er, sich den Mund wischend, "nur machen
kann sie es nicht." Es sei mir gestattet, angesichts des -
statistisch nachgewiesenen - ständig steigenden Lebensmittelver-
brauchs der Ungarn, Ludwig Feuerbachs bekanntes Wort abzuändern,
"der Mensch ist nicht was er isst, sondern wie er ist". Hier kommt es
eben auf das Wie an, wobei auch eine Rolle spielt, wie die Speisen
gereicht und gegessen werden.

Jeder ungarische Hausherr wird, wenn er seinen Gast zum Essen
auffordert, sagen: "Tessék, csak otthoniasan!" (Bitte halten sie es
ganz wie zu Haus). Mit anderen Worten: Lockern sie sich! Und
darum wir zunächst einmal ein Schnaps getrunken. Natürlich muß
es ein echter "Barack" (sprich: Barazk!) sein, ein Aprikosenschnaps,
sein. Selbstgemacht, versteht sich. Auch wenn er nicht selbstgemacht
ist. Das spielt keine Rolle. Nur lockern sie sich! Und dann kommt die
Vorspeise. Eine Hühnersuppe, mit selbstgemachten Nudeln natürlich.
Auch wenn es nicht stimmt, so genau muss man es nicht nehmen.
Noch ein Schnaps gefällig? Oh, der ist sehr gesund! Und macht
Appetit, vor dem Essen, zum Essen und danach noch.

Wir nehmen immer schon morgens aus nüchternen Magen einen zur
Brust....Das fördert die Verdauung und ......und ein langes Leben.
Auch wenn es nicht stimmt. Nehmen wir noch einen Kleinen? Man
darf nicht alles so genau nehmen....so todernst. "Wir leben nicht,
um zu essen, sondern wir essen, um zu leben"
, sagte Sokrates
oder Goethe...oder ich weiß nicht mehr genau, von wem das
stammt, aber eigentlich könnte es ein Ungar gesagt haben.

Siegfried Brachfeld

Siegfried Brachfeld / Sándor Novobáczky
Glossen zweier ungarischer Journalisten aus
"Budapester Rundschau" seit 1971
Mark Twain sagte einmal:
"Eine Lüge ist bereits dreimal um die Erde gelaufen, bevor sich die Wahrheit die Schuhe anzieht."
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